Das Hachinger Handball-Lexikon - Teil 1.

Nullkontakt, Kempa-Trick oder schnelle Mitte – Fachbegriffe gibt es beim Handball wirklich genug. Da wir uns in der kommenden Saison das Ziel gesteckt haben, auch viele neue Zuschauer in die Halle zu locken, haben wir ein kleines Glossar zusammengestellt, in dem wir die wichtigsten Begriffe klären. Denn wer will schon auf der Tribüne sitzen und nicht mitreden können. Allzu wörtlich sind die Erklärungen aber natürlich nicht zu nehmen. Die Hachinger Regelkunde:

Schritte: Drei Schritte mit dem Ball in der Hand ohne zu tippen sind erlaubt – meistens. Denn das letzte Wort hat immer noch der Schiedsrichter. Und der müsste dafür auf jeden Fall unfallfrei bis drei zählen können. Dieses Problem trifft umgekehrt natürlich auch auf den Spieler zu und zusammengenommen ergibt sich daraus folgende Regel: Es wird so lange mit dem Ball in der Hand gelaufen, bis ein Pfiff ertönt. Leider sind viele Spieler sehr ballverliebt, was zu Aktionen führt, die nicht vom Regelwerk gedeckt sind, ganz im Gegensatz zum so genannten Nullschritt: Dabei handelt es sich nicht um den Schritt eines minderbegabten Einwechselspielers (auf Namen wurde hier bewusst verzichtet, d. Red.), sondern um eine Sonderregel.

lexikonDer Spieler fängt den Ball in der Luft und hat dann beim ersten Bodenkontakt noch keinen seiner Schritt aufgebraucht. Da hierfür allerdings höhere koordinative Fähigkeiten gefragt sind,werden Sie diesen Schritt nur in Ausnahmefällen sehen. Unser Trainer hat uns gebeten, darauf zu verzichten, um das Verletzungsrisiko nicht unnötig zu erhöhen.

Siebenmeter:
Ein Siebenmeter wird als Strafe verhängt, wenn einem Spieler durch ein Foul eine klare Torchance vereitelt wird. Überraschenderweise muss der folgende Strafwurf an der sieben Meter vom Tor entfernten Siebenmeterlinie ausgeführt werden. Grundsätzlich ist allerdings zu sagen, dass gegen die Heimmannnschaft verhängte Siebenmeter unberechtigt sind,weil a) in aller Regel kein Foulspiel vorlag und es b) wegen der kaum zu bezwingenden Hachinger Torhüter überhaupt keine „klare Torchance“ für den Gegner geben kann.

Die schnelle Mitte: Anfang der 90er Jahre begann sich aus unserem kleinen Dorfverein eine europäische Handballhochburg zu entwickeln, der TSV Wunderhaching, so benannt nach seinem zauberhaften Offensiv-Spiel. Einzige Schwäche der Mannen um Gregor Chr. war die Rückwärtsbewegung in Richtung Abwehr. Genau das machte sich die Lobby unserer Gegner zunutze und ließ vom Verband die „schnelle Mitte“ einführen. Durfte früher der Anwurf nicht ausgeführt werden, wenn noch ein Spieler in der gegnerischen Hälfte stand (Gregor Chr.), ist das nun unerheblich und das Spiel kann dadurch nicht mehr verzögert werden. Bremsen konnte uns das alles jedoch nicht.

Rückpass: Verboten! Der Ball darf nicht zum Torhüter zurück gespielt werden, wenn doch, wird dies mit einem Freiwurf geahndet. Problematisch ist diese Regel, da im Tor natürlich immer die gewandtesten und besten Spieler stehen. (Diese Einschätzung hat nichts damit zu tun, dass der Autor selbst Torhüter ist...).Also: So schwer es fällt, der Ball darf nicht zum Keeper. Zum Glück gibt es ein Schlupfloch: Steht der Torwart außerhalb des Sechs-Meter Kreises, darf er mitspielen. Komischerweise wird er dann jedoch meist von seinen Mitspielern geschnitten...

Abwehr: Notwendiges Übel, um selbst wieder in Ballbesitz zu kommen. Ausgehend davon, dass man selbst im Angriff immer ein Tor erzielt, muss man trotzdem mindestens einen gegnerischen Angriff ohne Gegentor überstehen, um ein Spiel zu gewinnen. Daher die Abwehr, denn auf den Torwart ist leider nicht immer Verlass. Das Konzept, die Seitenwahl zu Beginn des Spiels zu gewinnen, um mit dem ersten Angriff ein Tor vorzulegen und dann zu hoffen, dass der Schlusspfiff im rechten Moment ertönt, hat sich als zu risikoreich erwiesen. Das haben in Unterhaching sehr lange Testphasen (gerade in der Regionalliga!) zweifelsfrei erwiesen.

Kempa-Trick: In Unterhaching genannt: Die fliegende Birnwurst. Dabei wird ein Ball in den Luftraum vor dem gegnerischen Tor gespielt, von einem Mitspieler in der Luft gefangen und vor der Landung im Tor untergebracht, gerne auch mit einem gezielten Kopfball. Dieses technische Kabinettstückchen, gewissermaßen die Krönung des Angriffspiels, wurde vom Göppinger Bernhard Kempa nach dem zweiten Weltkrieg erfunden. Nicky Witte, damals schon auf der Zielgeraden seiner Karriere, brachte den Trick dann nach Unterhaching, wo er ihn immer noch praktiziert – allerdings nur noch als Passgeber, springen kann er nicht mehr.

Freiwurf: Wird ein Spieler gefoult, bekommt seine Mannschaft am Ort des Vergehens einen Freiwurf zugesprochen. Dieser muss aber nicht,wie viele Spieler (Linkshänder) fälschlicherweise vermuten, direkt zum Torschuss genutzt werden. Vielmehr soll mit dem Freiwurf das Angriffspiel neu gestartet werden - danach ist immer noch genug Zeit, die Linkshänder von den aussichtsreichen Wurfpositionen zu entfernen, damit sie dann auf Höhe der Eckfahne den Abschluss suchen können.

Zeitspiel: Das Zeitspiel wurde vor einigen Jahren durch den Begriff „passives Spiel“ ersetzt. Gerade ältere Spieler sollen dadurch wohl dazu bewegt werden, endlich die Handballschuhe an den Nagel zu hängen. Ist bei einer Mannschaft kein Tordrang zu erkennen, kann der Schiedsrichter den Arm heben und damit signalisieren, dass nun möglichst schnell Druck entwickelt werden muss. Für Unterhachinger Teams ist dies in der Regel kein Problem, da sie immer schießwütige Linkshänder in ihren Reihen haben, so dass, wie oben erwähnt, passives Spiel gar nicht erst erkennbar wird.

Mit diesen Hinweisen ausgestattet, sollten Sie nun in der Lage sein, ein Handballspiel angemessen von der Tribüne aus zu begleiten. Hilfreiche Zurufe („Schiri, bist du blind?“, „Zeitspiel!“ und natürlich weit ausgefeiltere Kommentare, die nicht gedruckt werden) werden Sie von kundigen Fans in Erfahrung bringen können.

Viel Spaß, wir erwarten Sie!